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Medikamentöse Therapie

Bislang kann die Huntington-Krankheit nicht ursächlich behandelt werden. Daher können Medikamente nur bestimmte Symptome verbessern. Nicht aus den Augen lassen darf man den Menschen hinter einem einzelnen Symptom. Es nützt nichts nur ein Beschwerdebereich auf Kosten der allgemeinen Lebensqualität zu behandeln. Alle in der Medizin verabreichten Medikamente können neben der erwünschten Hauptwirkung auch Nebenwirkungen zeigen. Manche davon beeinträchtigen die Patienten und die Angehörigen gewaltig. Daher sollten vor einer Behandlung immer auch die Angehörigen befragt werden. Wichtig ist es auch eine medikamentöse Therapie durch Krankengymnastik und Logopädie zu ersetzen.
Die medikamentöse Therapie gehört in die Hand eines erfahrenen Nervenarztes. Es können Nebenwirkungen auftreten, die beispielsweise das Schlucken, Gehen oder Sprechen verschlechtern. Der Arzt wird dann das Medikament ändern, die Dosis anpassen oder auf eine Behandlung verzichten.

Bewegungsstörungen

Zunächst ist es wichtig herauszufinden, wie sehr die Bewegungsstörungen den Betroffenen beeinträchtigen. Viele Huntington-Patienten können alltägliche Verrichtungen trotz der Bewegungsstörungen verrichten und nur die Angehörigen fühlen sich gestört. In so einem Fall ist eine medikamentöse Therapie nicht nötig. Wird doch der Einsatz von Arzneien notwendig, muss der Arzt individuell für jeden Patienten eine Dosis finden, die möglichst wenige Nebenwirkungen verursacht und trotzdem eine gute Heilwirkung zeigt. Manchmal ist das schwierig.
Die wirksamsten Medikamente gegen Bewegungsstörungen sind Neuroleptika. In den meisten Fällen können die Bewegungsstörungen dadurch gut kontrolliert werden. Es gibt verschiedenen Neuroleptika auf dem Markt, die auch unterschiedliche Nebenwirkungen verursachen. Beispielsweise können manche zu Müdigkeit und Antriebsmangel führen. Bei einem Patienten der neben der Bewegungsstörung auch unter Reizbarkeit und Wutausbrüchen leidet, ist diese Nebenwirkung vielleicht sogar hilfreich. Für an sich schon apathische Kranke eignet sich das Medikament vermutlich weniger und es sollte eine anderes Neuroleptikum gegeben werden.

Unruhe und Angst

Wenn die geistigen Fähigkeiten nachlassen, stellen sich bei vielen Huntington-Patienten Unruhe und Angst ein. Zunächst sollte versucht werden, dieser Situation durch einen strukturierten Tagesablauf und Rituale entgegen zu wirken. Bestimmen aber Ängste das Leben des Betroffenen, können Medikamente helfen. Bewährt haben sich einfache Beruhigungsmittel, sogenannte Benzodiazepine. Diese Medikamente können zwar zu körperlicher und psychischer Abhängigkeit führen. Bei Huntington-Patienten, die das Medikament einnehmen, ist aber nicht mit der Entwicklung einer Sucht zu rechnen.

Depressionen

Depressionen sind ein häufiges Symptome bei der Huntington-Krankheit und mitverantwortlich für die hohen Selbstmordraten vor allem zu Beginn der Erkrankung. Daher sollten sie unbedingt behandelt werden. Gutes Zureden, beispielsweise dass der Betroffene sich zusammenreißen soll, helfen überhaupt nicht. Die sogenannten klassischen Antidepressiva werden bei der Huntington-Krankheit nicht eingesetzt, da sie die Bewegungsstörungen verschlimmern können. Bei Personen, bei denen noch keine choreatischen  Bewegungen zu finden sind, können sie durch diese Medikamente ausgelöst werden. Bewährt haben sich neuere Medikamente gegen Depression, die sogenannten Selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmer. Auch atypische Neuroleptika werden eingesetzt. Sie verbessern gleichzeitig eventuell bestehende Bewegungsstörungen. Meist dauert es vier bis acht Wochen bis die Medikamente wirken und eine Besserung der Depression tatsächlich zu sehen ist.

Schlafstörungen

Schlafstörungen sind bei Huntington-Patienten häufig. Zunächst kann man es mit Einschlafritualen versuchen. Dazu gehört beispielsweise immer zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen, eine bestimmte Musik zu hören oder vorher immer eine Tasse Milch zu trinken. Ist allerdings der Tag/Nachtrhythmus gestört, sollte auch mit Rücksicht auf die Angehörigen behandelt werden. Auch hier können Benzodiazepine helfen. Werden sie allerdings schon am Tag gegen Ängste gegeben, sollte der Arzt andere Schlafmittel verschreiben.

Aggressivität und Wahnvorstellungen

Häufig findet sich am Anfang ein enthemmtes, impulsives und unbedachtes Verhalten gegenüber den Mitmenschen. Führt dieses Verhalten zu aggressiven Ausbrüchen, können Medikamente notwendig werden, um das Verhalten zu kontrollieren. Auch kann das Nachlassen der geistigen Fähigkeiten dazu führen, dass der Bezug zur Wirklichkeit verloren geht. Wahnvorstellungen können die Folge sein. Auch hier können Neuroleptika helfen. Sie müssen über einen längeren Zeitraum gegeben werden, damit sie wirken können.