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Gesundheitsreform

Zu Beginn des Jahres 2004 trat die erste Stufe der Gesundheitsreform in Kraft. Alle gesetzlich Versicherten Personen müssen seitdem höhere Zuzahlungen leisten. Viele Betroffen zahlen allerdings mehr als sie müssten, da sie sich in den vielen Änderungen nicht auskennen. Grundsätzlich gilt: für jede Zuzahlung eine Quittung verlangen und alle Quittungen sammeln. Seit 1. Januar 2005 gilt die zweite Stufe der Gesundheitsreform, die erneute Änderungen bringt. Hier die wichtigsten in Kürze:

Generelle Zuzahlungen

Seit dem 1. Januar 2004 müssen gesetzlich Versicherte bis zu zwei Prozent ihres Bruttojahresgehalts zu den von ihnen verursachten Gesundheitskosten zuschießen. Personen mit chronischen Erkrankungen müssen maximal ein Prozent selbst finanzieren. Bei der Berechnung der individuellen Belastungsgrenze wird das Familienbruttoeinkommen zugrunde gelegt. Es kommt also vor allem darauf an, wie viele Personen zu einem gemeinsamen Haushalt gehören und von dem Einkommen leben müssen. Denn für Familienangehörige kann ein Freibetrag geltend gemacht werden, der das Familienbruttoeinkommen und damit die Belastungsgrenze reduziert. Sobald Versicherte mit ihren Zuzahlungen innerhalb eines Kalenderjahres die Belastungsgrenze erreicht haben, können sie bei ihrer Krankenkasse eine Befreiungsbescheinigung beantragen. Dazu müssen alle gesammelten Quittungen eingereicht werden. Diese Bescheinigung befreit sie dann von allen weiteren Zuzahlungen im laufenden Jahr. Die Befreiung gilt nur für dieses Jahr und muss jedes Jahr neu beantragt werden.
Die vollständige Befreiung von Zuzahlungen im Sinne der Härtefallregelung gilt seit dem 1. Januar 2004 nur noch für Zahnersatzleistungen.

Chronisch Kranke

Lange wurde diskutiert, wer chronisch krank ist. Jetzt gilt folgende Definition: Als schwer chronisch krank gilt, wer mindestens einmal pro Quartal wegen derselben Erkrankung auf ärztliche Behandlung angewiesen ist und derjenige, der zu einer der folgenden Gruppen gehört: Mittel- und Schwerpflegebedürftige der Stufen 2 und 3, Menschen mit einer Behinderung von mindestens 60 Prozent und Kranke, die kontinuierlich in ärztlicher oder psychotherapeutischer Behandlung sind (bzw. Patienten, die Medikamente, Heil- oder Hilfsmittel benötigen), ohne die sich die Erkrankung verschlimmern oder die Lebensqualität der Betroffenen deutlich sinken würde. Ein Arzt muss das Vorliegen einer chronischen Krankheit bestätigen. Die nötigen Formulare gibt es bei der Krankenkasse.
Bestimmte Leistungen fallen bei chronisch Kranken nicht unter die Befreiungsmöglichkeit. Dazu zählen beispielsweise der Eigenanteil an Hilfsmitteln oder am Zahnersatz.

Praxisgebühr

Seit einem Jahr muss jeder Patient pro Quartal eine Praxisgebühr von 10 Euro direkt an seinen Haus- oder Facharzt zahlen. Diese Gebühr wird auch fällig, wenn der Patient nur ein Rezept benötigt oder ein kurze telefonische Anfrage hat. Wer sich von einem Arzt an einen anderen Arzt überweisen lässt, zahlt diese 10 Euro nur einmal pro Quartal. Wer ohne Überweisung zu verschiedenen Ärzten geht, muss jedes mal 10 Euro zahlen. Für Arztbesuche, die der Vorsorge dienen, wird keine Praxisgebühr verlangt. Zur Vorsorge gehören beispielsweise Krebsvorsorge, Schutzimpfungen oder Zahnprophylaxe.
Die Praxisgebühr wird auch beim Besuch eines Psychotherapeuten fällig. Die Quittung vom Therapeuten dient als Beleg und kann beim Haus- oder Facharzt vorgelegt werden.
Wer einen Notarzt zu sich nach Hause bestellt oder einen ärztlichen Notdienst aufsucht, muss eine separate Praxisgebühr zahlen. Diese wird nicht fällig, wenn der behandelnde Arzt den Besuch anordnet, beispielsweise weil am Wochenende ein Verband gewechselt werden muss. Umgekehrt wird die Gebühr auch dann nicht erneut fällig, wenn der Notarzt den Patienten zur weiteren Behandlung an den Haus- oder Facharzt überweist.
Auch für den Zahnarztbesuch werden quartalsweise 10 Euro verlangt, die nicht durch Überweisungen vom Hausarzt vermieden werden können.

Medikamente

Bei rezeptpflichtigen Medikamente zahlen Patienten 10 Prozent des Preises, aber mindestens 5 Euro und höchstens 10 Euro. Für einige patentgeschützte Arzneimittel wurden jetzt Festbeträge eingeführt. Festbeträge sind die maximale Kosten, welche die gesetzliche Krankenkasse für das Arzneimittel zahlt. Verschreibt ein Arzt ein Arzneimittel, dessen Preis über dieser Höchstgrenze liegt, zahlt der Versicherte die Differenz. Die Ärzte sind verpflichtet, den Versicherten vorab auf diese Differenzzahlung hinzuweisen.
Nicht rezeptpflichtige Medikamente müssen viele Menschen selbst zahlen. Sie erhalten für diese Medikamente ein grünes Rezept. Das dafür ausgegebene Geld wird auch nicht auf die persönliche Belastungsobergrenze (ein bzw. zwei Prozent des Bruttojahreseinkommens) angerechnet. Allerdings gibt es auch hier Ausnahmen. Bei schwer kranken Menschen übernehmen die Kassen auch in Zukunft die Kosten für bestimmte rezeptfreie Arzneien. Doch bislang ist nicht völlig klar, für welche Medikamente diese Ausnahmeregelung gelten soll.

Versandhandel

Seit Anfang 2004 ist in Deutschland auch der Versandhandel mit Medikamenten erlaubt. Für deutsche Versandapotheken gelten die gleichen hohen Maßstäbe im Hinblick auf Verbraucherschutz und Arzneimittelsicherheit wie für die öffentlichen Apotheken um die Ecke. Versandhändler aus dem Europäischen Ausland müssen sich an die dortigen Qualitätsrichtlinien halten. Trotz der gesetzlichen Vorgaben gibt es ganz unterschiedliche Angebote. Das hat Auswirkungen auf Preise, Zuzahlung, Lieferbedingungen und die Abrechnung mit den Kassen. Hier gilt es zu vergleichen und ein für sich passendes Angebot zu finden. Für verschreibungspflichtige Arzneimittel müssen Patienten zuerst ein Rezept vorlegen, dann wird das Medikament verschickt. Es können also mehrere Tage vergehen, bis es beim Patienten ankommt. Häufig bieten vor allem holländische Versandhändler eine reduzierte Zuzahlung an. Manche offerieren auch den Service, am Jahresende Übersichten zur Verfügung zu stellen, die direkt der Steuererklärung beigelegt werden können, um wenigstens über die steuerliche Entlastung einen Teil der Patientenzuzahlungen erstattet zu bekommen. Eine Übersicht über die Versandhändler und Preisvergleichsdienste im Internet finden Sie hier.

Krankengymnastik & Co

Wer Krankengymnastik, medizinische Massagen, Bewegungs- und Beschäftigungstherapie, Stimm-, Sprech- und Sprachtherapie in Anspruch nimmt, muss zehn Prozent der Behandlungskosten übernehmen. Dazu kommen nochmals zehn Euro für jedes Rezept. Nach der ärztlichen Verordnung dürfen diese Behandlungen ausschließlich von zugelassen Heilmittelerbringern wie Ergo-, Physio- oder Logotherapeuten geleistet werden.

Hilfsmittel

Seit Anfang des Jahres gelten für Hilfsmittel wie Hörgeräte, Kompressionsstrümpfe, Sehhilfen, Inkontinenzhilfen und Stoma-Artikel bundesweit einheitliche Festbeträge. Bislang galten landesweit einheitliche Festbeträge mit Preisunterschieden.
Für Hilfsmittel beträgt die Zuzahlung grundsätzlich 10 Prozent, mindestens 5 Euro, höchstens aber 10 Euro. Bei Hilfsmitteln, die zum Verbrauch bestimmt sind, beispielsweise Windeln, ist eine Zuzahlung von 10 Prozent, höchstens jedoch 10 Euro für den Monatsbedarf zu leisten. Diese gesetzliche Zuzahlung gilt auch für Hilfsmittel, für die Festbeträge bestehen. Versicherte, die einen Anspruch auf ein bestimmtes Hilfsmittel haben, sollten vor dem Kauf bei ihrer Krankenkasse nachfragen, welche Anbieter das benötigte Hilfsmittel zum Festbetrag liefern. Wer sich für ein Hilfsmittel oberhalb des Festbetrages entscheidet, muss die Differenz zwischen Festbetrag und tatsächlichem Preis aus eigener Tasche bezahlen.

Fahrtkosten

Fahrtkosten zu ambulanten Behandlungen werden nur noch in Ausnahmefällen übernommen. Zu den Ausnahmen zählen Menschen die außergewöhnlich gehbehindert, blind oder hilflos sind und einen entsprechenden Schwerbehindertenausweis besitzen, Menschen der Pflegestufe 2 und 3 sowie Fahrten zur Dialyse oder zur Krebsbehandlung.
Dies ist aber keine endgültige Liste. Bei ärztlicher Verordnung kann die Krankenkasse auch in anderen Fällen eine solche Fahrt übernehmen. Voraussetzung für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist die zwingende Notwendigkeit der Fahrt und die Genehmigung der Krankenkasse im Voraus.
Auch in diesen Fällen muss der Patient 10 Prozent der Fahrtkosten selbst zahlen, mindesten jedoch fünf und maximal 10 Euro.