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Ein Symptom – viele Erkrankungen

In der Anfangsphase sind die Symptome der Huntington Erkrankung unspezifisch, das heißt, es können auch andere Erkrankungen hinter den Beschwerden stecken. Untersuchungen zufolge werden bei etwa zehn Prozent der Huntington-Erkrankten andere Krankheiten diagnostiziert und umgekehrt litten etwa 15 Prozent der Menschen, die Huntington-typische Bewegungsstörungen hatten, an anderen Krankheiten.
Erst eine ausführliche neurologische und psychiatrische Diagnostik (kilnische Diagnose) und die molekulargenetische Untersuchung (Differenzialdiagnose) können 100prozentige Sicherheit bringen.
Bei folgenden Erkrankungen können zu Beginn ähnliche Symptome auftreten:

Depression:

Etwa fünf Prozent der Bevölkerung leiden an einer Depression. Sie ist eine schwere Erkrankungen, die den Antrieb, die Stimmung, den Schlaf und die Fähigkeit, Freude zu empfinden, beeinflusst. Die Erkrankung zeigt sich bei jedem Menschen anders. Manche Betroffene klagen beispielsweise lediglich über anhaltende Kopfschmerzen oder Magenbeschwerden. Andere wiederum bemerken, dass sie vermehrt schwitzen oder unter Verstopfung leiden. Besonders bei Älteren können körperliche Beschwerden im Vordergrund stehen, hinter denen sich eine Depression versteckt. Realitätsfremde Gedanken, so genannte Wahnvorstellungen, können ebenfalls bei einer Depression auftreten. Der Betroffene ist z. B. der festen Ansicht bettelarm zu sein, den Arzt nicht bezahlen zu können, nichts wert zu sein oder unheilbar an Krebs erkrankt zu sein.
Insbesondere zu Beginn der Huntington-Erkrankung treten psychische Veränderungen auf, die als typische Symptome einer Depression gewertet werden können. Sie sind die häufigsten psychischen Veränderungen bei der Huntington-Krankheit.

Schizophrenie:

Schizophrenie ist eine Erkrankung, die zu Veränderungen der Gedanken, der Wahrnehmung und des Verhaltens führt. Schizophreniekranke sind zeitweise nicht in der Lage, zwischen der Wirklichkeit und den eigenen Vorstellungen zu unterscheiden. Schizophrenie kann praktisch alle psychischen Funktionen verändern. Es zeigt sich eine Vielzahl an Beschwerden, die beim einzelnen Kranken nicht alle und nicht gleich stark ausgeprägt in Erscheinung treten. Etwa 20 Prozent der Menschen mit Morbus Huntington haben Veränderungen wie bei einer Schizophrenie.

Alzheimer:

Zu Beginn der Erkrankung bemerken Betroffene und ihre Angehörigen oft Schwierigkeiten mit dem Gedächtnis. Nach und nach treten zusätzliche Probleme hinzu. Die Leistungsfähigkeit im Alltag nimmt ab, starke Stimmungsschwankungen treten auf und alltägliche Verrichtungen wie Waschen und Anziehen fallen schwerer oder können überhaupt nicht mehr verrichtet werden. Die Probleme können so schwerwiegend werden, dass der Kranke völlig von anderen abhängig wird, nicht mehr weiß wo er sich befindet, zu welcher Zeit er lebt und wer er ist. Das Nachlassen der intellektuellen Fähigkeiten tritt auch bei der Huntington-Krankheit auf.

Durchblutungsstörungen des Gehirns (vaskuläre Demenz):

Das betrifft vor allem ältere Menschen. Am häufigsten führt eine "Gefäßverkalkung" (Atherosklerose) zur Verengung von Blutgefäßen und nachfolgend zu einer Durchblutungsstörung von Bereichen des Gehirns. Durchblutungsstörungen verlaufen wechselhaft. An einem Tag fühlt sich der Betroffene besser und klarer, an einem anderen Tag schlechter. Die vaskuläre Demenz tritt meist bei älteren Menschen auf. Verwechselt werden kann die vaskuläre Demenz mit der seltenen späten Form der Huntington-Krankheit, die erst im höheren Lebensalter auftritt.

Parkinson-Krankheit:

Kennzeichen der Krankheit sind zähflüssige Bewegungsabläufe, Steifigkeit und ein auffälliges Zittern. Insbesondere die juvenile Huntington-Krankheit kann mit solchen Symptomen beginnen.

Entzündungen und  Infektionen des Gehirns:

Verschiedenen Infektionskrankheiten können das Gehirn schädigen und neurologische und psychiatrische Veränderungen bewirken, die der Huntington-Krankheit ähnlich sehen. Auch einige chronischen Erkrankungen wie beispielsweise der systemischen Lupus erythematodes können über Entzündungen der Blutgefäße zu Veränderungen führen.

Hirntumore:

Langsam wachsende Hirntumore können sich ebenfalls mit einer Abnahme der Hirnleistung und Bewegungsstörungen bemerkbar machen.

Normaldruckhydrozephalus:

Hier liegt eine Abflussstörung des Gehirnwassers vor, z. B. nach einer Hirnhautentzündung, Blutung oder Schädel-Hirn-Verletzung. Typisch sind eine Bewegungsstörungen wie Gangstörung, Gedächtnisstörung und Blasenschwäche.

Andere Erkrankungen:

Auch Erkrankungen oder gesundheitliche Probleme, die nicht in erster Linie das Gehirn betreffen, können der Huntington-Erkrankung ähnlich sehen. Daher müssen diese Erkrankungen erst ausgeschlossen werden. Dazu zählen:
Hormonstörungen: wie Schilddrüsenunterfunktion, Funktionsstörung der Nebenschilddrüse.
Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 oder Folsäure kann durch Blutuntersuchungen festgestellt und mit entsprechenden Vitamingaben behandelt werden. Vitamin B12 Mangel führt zu neurologischen Veränderungen.
Stoffwechselentgleisung: Starke Unterzuckerung, chronische Leber- oder Nierenschwäche können Symptome einer geistigen Leistungsminderung hervorrufen. Auch der Mangel an Flüssigkeit („Dehydratation") durch eine zu geringe Trinkmenge kann die Symptome einer Demenz verursachen oder verstärken.
Extremer Alkoholkonsum: Durch Mangelernährung im Rahmen eines exzessiven Alkoholkonsums kann es zu neurologischen und psychischen Veränderungen kommen.