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Begleitende Therapie

Physiotherapie, Logopädie und Ergotherapie sind neben der medikamentösen Therapie die zweite sehr wichtige Säule der Therapie. Diese Therapien werden individuell auf die Bedürfnisse des jeweiligen Patienten zugeschnitten und sollen frühzeitig begonnen werden. Viele Therapieformen lässt man sich am besten von einer Fachkraft zeigen und übt dann daheim regelmäßig weiter.

Physiotherapie

Die Huntington-Patienten sollten regelmäßig physiotherapeutische Übungen machen. Ziel ist es, Funktionsstörungen und Fehlentwicklungen des Körpers weitmöglichst hinauszuzögern. Das geschieht durch aktive körperliche Bewegungsübungen und durch passive Maßnahmen wie Massagen und Dehnübungen. Der Physiotherapeut stellt ein speziell auf die Bedürfnisse des Patienten abgestelltes Übungsprogramm zusammen. Die Huntington-Patienten sollen diese Übungen nicht nur beim Physiotherapeuten machen, sondern auch regelmäßig daheim trainieren, am besten gemeinsam mit den Angehörigen.
Neben den aktiven Übungen helfen vielen Betroffenen auch Bäder oder Massagen.

Logopädie

Sprechschwierigkeiten lassen sich am besten durch ein gezieltes logopädisches Training beeinflussen. Die Behandlung sollte schon bei leichten Sprechstörungen beginnen. Das Ziel der Therapie ist es, die Verständlichkeit des Patienten so lange wie möglich zu erhalten. Teile der Behandlung sind gezielte Artikulationsübungen, Optimierung des Gebrauchs von Atmung und Stimme und Korrigieren der Sprechgeschwindigkeit. Die Sprechtherapie wird von Sprachübungen begleitet Diese sollen sowohl das Sprachverständnis als auch den Sprachgebrauch aktivieren. Die Verständlichkeit bleibt ein wesentlicher Zweck dieser Sprachübungen, und der Patient wird in dieser Beziehung ständig neu stimuliert. Die Huntington-Krankheit führt dazu, dass der Patient beim Sprechen immer unverständlicher wird. Irgendwann ist die Sprache als Kommunikationsmittel unbrauchbar geworden. Daher müssen andere Kommunikationsmöglichkeiten gefunden werden. Theoretisch gibt es verschiedene Alternativen, wie beispielsweise Buchstaben- oder Wörtertabellen, Bücher mit Zeichnungen, Fotographien oder Wörtern, nicht-sprachliche ja oder nein Antworten. In der Praxis können diese Kommunikationshilfen einzelnen Patienten helfen.
Neben den Sprachübungen kann auch das richtige Schlucken geübt und verbessert werden. Diese Übungen sind besonders wichtig, da Schluckstörungen sehr gefährlich werden können für den Patienten. Hier hat sich die sogenannte fazio-orale-Trakt-Therapie (FOT) bewährt.
Da erfahrungsgemäß lange Wartezeiten für eine logopädische Behandlung in Kauf genommen werden müssen, sollte man sich frühzeitig um eine solche Behandlung bemühen.

Ergotherapie

Jeder Mensch braucht eine sinnvolle Beschäftigung. Musste der Huntington-Patient aus seinem bisherigen Arbeitsumfeld ausscheiden, sollte er mit seinen Angehörigen eine sinnvolle, Freude bereitende Beschäftigung suchen. Hier kann die Ergotherapie wichtige Hilfe leisten. Schwerpunktmäßig werden Fähigkeiten wie Ausdauer, Konzentration, Zeiteinteilung, Kooperation, Grob- und Feinmotorik geschult. In der Beschäftigungstherapie können manuelle Fähigkeiten oder kreative Tätigkeiten gezielt geübt werden.
Auch einfache alltägliche Verrichtungen wie Essen, Trinken, Waschen, An- und Ausziehen, den Tag planen oder Einkaufen können mit einem Ergotherapeuten geübt werden. So kann der Betroffene länger selbstständig bleiben. Zudem kann der Therapeut aufzeigen, wo Hilfsmittel wie Schienen, Gehhilfen, Rollstühle und Anziehhilfen sinnvoll eingesetzt werden können.

Hirnleistungstraining

Ein regelmäßiges Hirnleistungstraining hat sich bei der Huntington-Krankheit ebenfalls bewährt. Das spezielle, individuell auf den Patienten abgestimmte Training ermöglicht eine gezielte Förderung und Verbesserung der geistigen Leistungsfähigkeit. Nach einer ausführlichen Diagnostik hinsichtlich vorhandener und beeinträchtigter Fähigkeiten wird ein individueller Therapieplan mit dem Patienten aufgestellt. Dabei können sowohl computergestützte Trainingsverfahren als auch Arbeitsblätter eingesetzt werden. Das Programm sollte mit einem Ergotherapeuten oder Neuropsychologen zusammengestellt werden.
Die folgenden Bereiche können nach Bedarf gezielt gefördert werden:
· Das Erreichen größtmöglicher geistiger Beweglichkeit des einzelnen Patienten
· Verbesserung von Orientierung in Ort, Raum, Zeit und Personen
· Ausgleich und Verminderung der Folgen von Einschränkungen in den Bereichen Aufmerksamkeit, Konzentration, Merkfähigkeit, Gedächtnis oder Lese-Sinnverständnis
· Förderung der Handlungsplanung, Reihenfolgenbildung und Durchführung von Tätigkeiten
· Anregung zu mehr Eigenständigkeit und Initiative sowie die Anpassung an die Realität
· Erarbeiten von Handlungskompetenzen im Hinblick auf eine persönliche und häusliche Selbständigkeit, beispielsweise Training von Alltagsaktivitäten
· Steigerung der Belastbarkeit
· Begleitung und Beratung in Bezug auf Probleme bei der Umsetzung erlernter Strategien in alltägliche Anforderungssituationen
· Vermittlung von Kompensationsstrategien

Entspannungstechniken

Eine weitere begleitende Therapie sind Entspannungstechniken wie beispielsweise Autogenes Training oder die Progressive Muskelentspannung.
Bei der Progressiven Muskelentspannung werden verschiedene Muskelgruppen systematisch an- und entspannt. Die Progressive Muskelentspannung kann man sehr leicht erlernen. Im Handel gibt es Kassetten und CDs, welche die Übungen genau vorgeben.
Beim Autogenen Training handelt es sich um eine Selbstentspannung durch Autosuggestion. Man stellt sich Ruhe und Entspannung intensiv vor. Das Training besteht aus vielen verschiedenen Übungen. Autogenes Training sollten Sie erst unter fachmännischer Anleitung erlernen. Viele Sportvereine oder die Volkshochschule bieten Kurse an.
Atemübungen: Die meisten Menschen atmen in Stresssituationen unzureichend und ungleichmäßig. Bei allen Entspannungstechniken spielt daher die Atmung eine große Rolle, denn ruhige, bewusste Atmung wirkt beruhigend und trägt somit zu Ausgeglichenheit und innerer Ruhe bei. Auch Patienten im fortgeschrittenen Stadium können noch Atemübungen machen. Es gibt Atemtherapeuten, bei denen man spezielle Atemtechniken erlernen kann.
Entspannungsübungen sind nicht nur für die Huntington- Patienten wichtig, auch die meist gestressten Angehörigen profitieren ganz enorm davon.

Neuroprotektion

Download zum Thema:
Aktueller Forschungsstand zur neuroprotektiven Therapie der Huntington-Krankheit
Artikel von Dr.med. Herwig W. Lange